Salzburger Religionstriennale (2013-2015)

Die politische und kulturelle Gegenwart der Religionen in Europa: Judentum - Christentum - Islam

Im Zeichen von Public Religions gewinnen Religionen unter Globalisierungsbedingungen an politischer Bedeutung.1  Fragen nach europäischer Identität werden dabei immer wieder mit religiösen Begründungsmustern verbunden: in positiver Anknüpfung wie in kritischer Abgrenzung. Europäische Verfassungsdiskurse2  zeigen dies ebenso an wie die Debatten um den gesellschaftlichen Ort religiöser Symbole (Kreuz, Kopftuch) oder Auseinandersetzungen um den Stellenwert religiöser Rituale an den Grenzen von zivilgesellschaftlichen Rechtsordnungen und religionsgemeinschaftlichen Verpflichtungen (Schächten). Religionskonflikte, die religiöse Traditionen als Vehikel nutzen, spielen auf europäischen Bühnen vielfältige Rollen3 : zwischen neuen Blasphemie-Diskursen (Karikaturenstreit)4  und Anzeichen einer Islamphobie, zwischen aktuellen antisemitischen Formaten5  und neuen Formen einer Christentumskritik. Der New Atheism6  führt in diese Diskurse eine eigene Perspektive ein, die sich mit der Frage nach der „paradoxen Säkularisierung“7  Europas verbindet: Einerseits erlebt man ein Abdunsten religiöser Traditionen, andererseits kann man neue religiöse Lebensformen (Migrationskirchen) und eine regelrechte Religionsproduktivität beobachten (Internetreligionen). Angesichts von Finanzkrisen und gesellschaftlichen Identitätsdiskursen in den zum Teil als „postdemokratisch“8  bezeichneten europäischen Staaten steht man vor neuen Zuordnungen von Religion, Gesellschaft und Politik.

 

Vor diesem Hintergrund greift die Religionstriennale, die in Verbindung mit der Salzburger Hochschulwoche ausgerichtet wird, gegenwärtige religionspolitische und religionskulturelle Fragestellungen im europäischen Kontext auf.
Aufgrund ihres Erfolges in den Vorjahren wurde nun entschieden, die ursprünglch als dreijähriger Seminarzyklus (2013 - 2015) angelegte Reihe fortzusetzen. 

International ausgewiesene Wissenschaftler stellen in einer Kombination aus Innen- und Außenperspektiven die jeweiligen Religionen im problemorientierten Zuschnitt des Triennal-Themas vor. Es handelt sich bei diesem Projekt um das Start-up eines Trialogs der Religionen, der in mehreren, thematisch in sich zusammenhängenden Triennalen Grundfragen zwischen den drei großen monotheistischen Religionen in ihrer Bedeutung für den Prozess der europäischen Einigung aufgreifen soll. Dieses Trialog-Programm soll mit 

  • höchstem wissenschaftlichem Anspruch (Wissenschaftspartner),
  • europäischer Ausrichtung (Salzburger Hochschulwochen als Plattform),
  • öffentlichkeitswirksam (Medienpartner)

in einer langfristigen Perspektive etabliert werden 

 

Warum eine Religionstriennale?

  • Verfolgt man das tagesaktuelle Geschehen und zeitpolitische Debatten, stellt man immer wieder fest, dass Religionen als politische Faktoren beansprucht werden, während das Wissen von den Religionen oft Defizite aufweist. 
  • Gleichzeitig stellt sich die religiöse Landschaft in Europa so diversifiziert dar, dass ein Informationsangebot und ein Austausch über die Gegenwart religiöser Systeme und Kulturen in Europa ein dringendes Desiderat darstellt.
  • Für die gegenwärtige Studierendengeneration stellt ein solches Diskursangebot die Möglichkeit dar, auf verschiedenen Ebenen in einen europäischen Austausch einzutreten. Mit dem Thema „Die politische und kulturelle Gegenwart der Religionen in Europa“ sind verfassungsrechtliche und politische, soziale und soziologische, ökonomische und kulturelle Fragstellungen verbunden. Sie zu diskutieren, erlaubt es aus der Erfahrungsperspektive unterschiedlicher europäischer Zonen, einen Diskurs über die Identität Europas zu führen.
  • Im Zeichen von ökonomischen Diskussionen um die Zukunft Europas wird es zunehmend wichtiger, die inhaltliche Profilierung des europäischen Projektes zu schärfen. Das kann nicht ausschließlich auf der Basis von religiösen Traditionen in Europa geschehen – aber auch nicht jenseits von ihnen. Deshalb ist ein mehrfach verschränktes Gespräch von Studierenden mit ExpertInnen aus der religiösen Innen- und Außenperspektive (Diskursteilnehmer und –beobachter) gefordert.

 

Warum die Salzburger Hochschulwochen als Plattform?

  • Die Salzburger Hochschulwochen bieten eine seit 1931 eingeführte Plattform mit der ältesten Sommeruniversität Europas. Sie greift im europäischen Zuschnitt interdisziplinär Themen auf, die eine christliche Perspektive mit interreligiösen, gesellschaftspolitischen und allgemein zeitdiagnostischen Fragestellungen  verbindet.
  • Studierende und ein breites Publikum aus Europa treffen sich hier jährlich für eine Woche, um im Zuschnitt von 
    • akademischen Veranstaltungen mit renommierten ReferentInnen und 
    • kulturellen Angeboten im Zuge der Salzburger Festspiele 
    • aktuelle Fragen mit grundsätzlichem Orientierungswert zu diskutieren. 

Von daher eignen sich die Salzburger Hochschulwochen in besonderer Weise als Plattform für eine Religionstriennale, die nach den europäischen Räumen religiöser Gegenwart fragt und die Bedeutung von Religionen für das Europa des 21. Jahrhunderts thematisiert. 

 

Zielbestimmungen

  1. Wissenschaftsebene
    • Stärkung des interreligiösen Gesprächs 
    • auf der Ebene problemorientierter wissenschaftlicher Debatten 
    • mit religionspolitischer Relevanz für die Frage einer europäischen Identität
    • zwischen europäischen WissenschaftlerInnen und dem Publikum
  2. Kommunikationsstrategische Ebene
    • Einrichtung und dauerhafte Institutionalisierung einer Plattform mit dezidiertem religionspolitischem und religionskulturellem Europabezug
    • Stärkung der internationalen und interreligiösen Ausrichtung des Standortes Salzburg als einem besonderen (historischen wie aktuellen) europäischen Transferraum 

 

Arbeitsformen:

Das Programm der Salzburger Religionstriennale umfasst Vorlesungen, Textseminare, Diskussionsforen sowie produktionsorientierte Arbeitsmethoden. Neben den Referenten wird ein Wissenschaftler eingeladen, der aus seiner Fachperspektive den gesamten Triennalteil mit Expertisen begleitet. Dazu werden unterschiedliche Fachrichtungen eingeladen (Religionswissenschaft, interkulturelle Theologie, Rechtsphilosophie).

Darüber hinaus werden Stipendien europaweit ausgeschrieben.

Publikationsformat: www.salzburger-religionstriennale.at 

  • Intern: Online-Publikation der Referate
  • Extern: Publikation der Thesen
  • Intern und extern: Diskussionsforum
  • Mitschnitte von Vorträgen und Diskussionen
  • Buchpublikation zum Abschluss der Religionstriennale mit allen Vorträgen (Publikationsort: Reihe ReligionsKulturen, Kohlhammer-Verlag)

 

Veranstalter:

  • Salzburger Hochschulwochen
  • Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Salzburg (Forschungsplattform)

 

Medienpartner:

  • Wochenzeitschrift „Die Furche“ 

 

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  1.   Vgl. José Casanova, Public Religions in the Modern World, Chicago-London 1994.
  2.   Vgl. Georg Essen, Sinnstiftende Unruhe im System des Rechts. Religion im Beziehungsgeflecht von modernem Verfassungsstaat und säkularer Zivilgesellschaft, Göttingen 2004; ders., Verfassung ohne Grund? Die Rede des Papstes im Deutschen Bundestag, Freiburg u.a. 2012.
  3.   Vgl. Hans G. Kippenberg, Gewalt als Gottesdienst. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung, München 2008; Gregor Maria Hoff / Ulrich Winkler (Hrsg.), Religionskonflikte. Zur lokalen Topografie eines Globalisierungsphänomens, Innsbruck 2011. 
  4.   Vgl. Jean-Pierre Wils, Gotteslästerung, Frankfurt a.M.-Leipzig 2007.
  5.   Vgl. den Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des deutschen Bundesministeriums des Inneren, Berlin 2011.
  6.   Vgl. Gregor Maria Hoff, Die neuen Atheismen. Eine notwendige Provokation, Kevelaer 2009.
  7.   Ulrich Beck, Der eigene Gott. Friedensfähigkeit und Gewaltpotential der Religionen, Frankfurt a.M.-Leipzig 2008, 40-42.
  8.   Colin Crouch, Postdemokratie, Frankfurt a.M. 2008, 7-44.