Salzburger Religionstriennale 2014

Politische Religionen:
Die politische Geschichte und Gegenwart der Religionen in Europa

Die Geschichte von Judentum, Christentum und Islam ist mit ihrem Auftreten in politische Zusammenhänge verwickelt. Unterschiedliche Politikkonzeptionen zwischen den Religionen, aber auch innerhalb ihrer selbst zeitigen bis heute Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben in Europa. Ein Blick in die Geschichte politischer Durchsetzungsambitionen und Repräsentationsansprüche in Europa kann über die Formen informieren, in denen diese drei Religionen bis heute politisch kommunizieren. Dabei stehen Fragen nach aktiven Kooperationen zwischen säkularem Staat und Religionsgemeinschaften ebenso an wie die theologische Bestimmung der jeweiligen Gemeinschaft, über die sich ihr Ort in einem säkularen Europa angeben lässt. Welche Rechtsgrenzen kann die jeweilige Religionsgemeinschaft als Beschränkung ihrer eigenen ethischen Verpflichtungen akzeptieren (Rechtsnormen)? Wie lassen sich Unbedingtheitsansprüche unter den Bedingungen pluralistischer Gesellschaften so adressieren, dass sie zugleich religiösen und zivilrechtlichen Toleranzansprüchen nachkommen? Wenn der ehemalige Primas der anglikanischen Kirche Rowan Williams für bestimmte Teilbereiche in England die Einführung der Scharia zur Diskussion stellte und Londoner Rechtsanwaltskanzleien Experten für islamisches Recht einstellen, zeigt dies brisante Übergänge an, die den politischen Raum berühren und den politischen Gestaltungsrahmen von Religionen betreffen. Sollten sich Religionen im Gegenzug auf Politikabstinenz festlegen? Und wie könnte dies konkret umgesetzt werden? Wie lässt sich die politische Gegenwart von Religionen im Europa des 21. Jahrhunderts produktiv machen?

Fragen wie diese sollen im zweiten Teil der Religionstriennale diskutiert werden.